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Mein Leben sollte einen Soundtrack haben – Warum eigentlich nur einen?

Während meines vierstündigen Stopovers in Dubai habe ich mich mal wieder in die Tiefen der Facebookgruppen begeben. Unglaublich was sich hier alles findet. Vertreten sind Gruppen wie „Alleine schlafen ist doof“, der schwäbische Klassiker „Wir können alles, außer Hochdeutsch.“ und natürlich „Wir wollen Karl-Theodor zu Guttenberg zurück“. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Ein Slogan hat es mir dann doch angetan: „Mein Leben sollte einen Soundtrack haben“.

Die nächsten sieben Stunden ging mir dieser kleine Satz nicht mehr aus dem Kopf. Als Hobby-DJ und jemand, der bei der Arbeit ständig Kopfhörer ist Musik ein fester Bestandteil des Tages. Auch wenn ich damit meine Kollegen teils zur Weißglut bringe, da auch kürzeste Konversationen in Skype verlegt werden müssen oder durch ein kurzes Auf-Die-Schulter-Tippen erst begonnen werden können.

Neben der Playlist auf dem BlackBerry, die mich morgens auf dem Weg in die Hafencity begleitet, gehören auch Angebote neuer Startups wie wahwah.fm und TWUSIC zu den Dingen, die meine Aufmerksamkeit für einige Zeit in Anspruch nehmen können und teilweise ein völlig neues Musikerlebnis ermöglichen. Und trotzdem bleibt die Frage … warum sollte mein Leben nur einen Soundtrack haben? Vielmehr lassen sich meine Tage durch eine Vielzahl von Musiktiteln ausdrücken. Hier eine typische Playlist meines Hamburger Startup-Lebens:

06:00 Uhr | Benny Benssi – Sweet Dreams

Der Wecker klingelt. Wo liegt jetzt schon wieder dieses dämliche Blackberry. Der innere Schweinehund ist nicht begeistert, aber kann nicht viel ausrichten. Die Fahrt in die Hafencity dauert Minimum 50 Minuten (meistens aber länger, da die Bahn sich nicht so ganz an ihre Fahrpläne hält). Aber gut, 15 Minuten sind noch drin. Einmal noch schnell die Augen schließen …

06:32 Uhr | DJ Antoine – BlackBerry

Shit … vergessen den Wecker neu zu stellen. Der Schweinehund freut sich. Gut, ein Bus später zum Bahnhof ist noch machbar. Ab ins Bad. Duschen, Anziehn’, Haare richten, rein in den Anzug und raus aus der Tür. Kurz zum Bäcker gegenüber der Bushaltestelle. Ein Schokobrötchen, ach egal, gleich zwei. Noch 5 Minuten Zeit. Kopfhörer auf die Ohren, Musik an und erst mal schauen, was meine Twitter-Zeitung sagt.

07:38 Uhr | Culcha Candela – Partybus

Der Bus ist endlich da. Und der Busfahrer hat natürlich keine Scheine um Rauszugeben. Aber gut, 17,20 Euro Rückgeld gehen auch in Ein- und Zwei-Eurostücken. Am Bahnhof angekommen das erste Wunder des Tages: Die Bahn ist pünktlich. So lass ich mir das gefallen. Ab geht’s ins Getümmel. In Shanghai hatte ich morgens mehr Platz in der U-Bahn.  Man kann eben nicht alles haben. Hauptbahnhof Hamburg … einmal bei Foursquare einchecken, Major verteidigen und ab in die U3 Richtung Hafencity.

08:30 Uhr | DJ Antoine – Work It Out

Ab geht’s an die Arbeit. Businesspläne checken, Social Media auf dem Laufenden halten, Meetings und was sonst noch so anfällt. Ein ganz normaler Tag in der Welt der Startups. Business Model Canvas bauen … hmmm … die Idee könnte interessant sein. Könnte man eigentlich der Geschäftsführung vorstellen. Also, Präse bauen mit den wichtigsten Eckdaten und den dazugehörigen Marktinformationen. Jourfix ist für diese Woche noch angesetzt. Perfekt. Und jetzt erst mal Mittagspause.

12:27 Uhr | Mika – Relax

So, wo geht es heute hin? Campussuite, Oh! It’s Fresh, Markthallen? Wir entscheiden uns für Campussuite. Nebenher wird fleißig über die unterschiedlichen Startups und eigene Projekte geredet … stimmt, da war ja noch was: Eigene Projekte! Das Essen wird kurzerhand einfach ins Office verlegt. Ab an den Rechner. Was machen eigentlich die eigenen Projekte?

Nummer 1 braucht noch mehr Infos zum potenziellen Markt.
Nummer 2 liegt gerade auf Eis, weil ein Techi fehlt.
Nummer 3 bewegt sich noch in der Ideenfindung. Monetarisierung ist noch das Problem.
Und dann ist da noch Projekt Nummer 4: Masterstudium in Liechtenstein. Da sollte auch noch einiges organisiert werden.

13:30 Uhr | Marteria – Endboss

Nochmal alles gut gegangen. Die eigenen Projekte sind wieder auf Kurs. Weiter geht’s mit der normalen Arbeit. Gamificationkonzept für eines der Startups aufstellen. Sehr schön. Da hab ich doch erst ein Buch zu gelesen und beim Founder Institute einen entsprechenden Vortag gehört. Gleich mal schauen, was da noch alles hängen geblieben ist. Sieht ganz gut aus. Nochmal ein bisschen was im Buch nachlesen und schon das erste Level geschafft. Auf zum Zweiten, Dritten, Vierten, Fünften … und fertig. Sieht gar nicht schlecht aus. Noch eine nette Mail dazu geschrieben und ab an den Endboss … ähm ich meine die Geschäftsführung.

Nach dem Arbeitsflow die Ernüchterung: 18.00 Uhr. Eigentlich könnte ich Feierabend machen.

18:05 Uhr | Böhse Onkelz – Auf Gute Freunde

Raus aus Haus Nummer 71 und rein in Haus Nummer 73. Der Kollege wartet schon. Will noch wissen wie Shanghai war und ob ich neue, interessante Ideen gefunden habe, die man ggf. umsetzen könnte. Also ab auf den Balkon. Muster und Bilder zeigen, die sich auf der Messe und beim Trendscouten in der Megacity angesammelt haben. Kleine Konzepte spinnen und mögliche Projekte planen (im Hinterkopf meldet sich schon wieder das kleine Männchen und erinnert mich daran, dass ja noch ein paar Projekte offen sind). Ach ja … die eigenen Projekte!

18:55 Uhr | Finger & Kadel – Regenschirm

Also kurz verabschiedet und ab geht’s zur Haltestelle. Es regnet und natürlich kein Regenschirm dabei. Wunderbar aber hilft ja nichts. So schnell wie möglich zur U-Bahn und ab zum Hauptbahnhof. Nochmal über Twitter auf den neusten Stand bringen … oh, eine Idee aus China hat sich schon erledigt! Gut, bleiben noch vier. Das reicht vollkommen (der kleine Mann im Hinterkopf macht einen Freudensprung).

19:12 Uhr | Nelly – Ride With Me

Zug ist schon da. Sehr schön. Das zweite Wunder an diesem Tag. Jetzt nochmal eine halbe Stunde bis zur Wohnung. Aber wenigstens kann ich die im Sitzen verbringen. Den Business Punk aus der Tasche gezückt und ein wenig entspannen. „Eier aus Stahl“ – hört sich auf jeden Fall interessant an.

19:41 Uhr | Lynyrd Skynyrd – Sweet Home Alabama

Home sweet Home. Endlich … Raus aus dem Anzug und rein in die Jogginghose. Computer auf den Tisch und schon klingelt das BlackBerry. Der Kollege aus München ist dran. Gerade aus der Investmentbank raus und mit den Gedanken auch schon bei eigenen Projekten. Stimmt, er war ja mit in Shanghai. Also noch einmal über die Reise und die entsprechenden Ideen gesprochen. Dropbox ist schon eingerichtet und die ersten Mails potenzieller Supplier trudeln auch so langsam ein. Alles schon abgelegt. Für die erste Kalkulation fehlen noch ein paar angaben, aber das Excel-Sheet mit dem Financial Model steht schon. Sehr schön. Noch kurz die Aufgaben für die restliche Woche verteilt und dann gibt’s Abendessen. Glücklicherweise hat der Edeka um die Ecke noch offen.

22:16 Uhr | Two and a Half Men – Manly Men (Intro)

So, auf CBS müsste die neue Folge von Two an a Half Men online sein. Ohne Charlie Sheen, dafür mit Ashton Kutcher? Na gut … schauen wir uns die Sache mal an. OK. Gar nicht so schlecht. Und wieder lässt mich die Internet- und Startup-Welt nicht los: Walden Schmidt, so der Name, den Ashton spielt, hat sein Geld mit dem Verkauf seines Startups an Mikrosoft gemacht. Für 1,4 Milliarden. Sehr schön. Mal schauen, ob eines meiner Projekte auch solchen Erfolg haben wird. Ich wäre auch schon mit 100 Millionen zufrieden.

23:00 Uhr | Tinie Tempah – Pass Out

Einmal ins Bad, Zähne putzen, bettfertig machen und dann mit dem Traum der Millionen ab in die Federn. Um 06.00 Uhr geht wieder der Wecker und der innere Schweinehund schreibt schon an seiner Protestrede.

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