Beiträge getagged mit Liechtenstein
Liechtenstein – Da studieren, wo andere Steuern sparen!
Verfasst von Christian Reichert unter Allgemein am 24. Oktober 2011
Raus aus Hamburg rein in die Berge. Morgen (Donnerstag) ist Studienbeginn für meinen Master und ich muss noch meinen Krempel ins Studentenwohnheim schaffen. Aber erst mal die Landschaft genießen. Nach dem Stau am Pfändertunnel auch dringend nötig. Sonnenschein, blauer Himmel und leicht mit Schnee bedeckte Berggipfel sehen aus wie aus dem Bilderbuch. Aber auch die Schweiz ist nicht mein Ziel. Für die nächsten zwei Jahre wird Liechtenstein mein Zuhause sein. An der Universität Liechtenstein werde ich nicht, wie mich das viele immer fragen und annehmen, Steuerhinterziehung studieren, sondern Entrepreneurship mit Vertiefung in Finanzierung (auf Neudeutsch: „Master of Science in Entrepreneurship Major Finance“). Aber, um die im Raum stehenden Vorurteile wenigstens teilweise zu bestätigen, es gibt hier natürlich einen Lehrstuhl für „Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Steuerrecht“.
Nach der Überquerung des Rheins endlich angekommen: Vaduz. Hauptstadt des Fürstentums. Mit dem Navi findet sich meine Unterkunft schnell. Kurz die Anmeldung ausgefüllt, kurze Erklärung der Einrichtung und dann heißt es Kofferschleppen. Nach 20 Minuten ist alles im Zimmer und halbwegs an seinem Platz. Jetzt noch die PCs aufgebaut und das wars. Noch kurz allen Bescheid geben, dass ich gut angekommen bin und dann ab in die Federn … morgen um 09.00 Uhr ist Einführungsveranstaltung.
Der nächste Morgen. Um 06.00 Uhr geht es raus aus den Federn. Mails und Nachrichten checken und dann ab unter die Dusche. Anziehn, kurz gefrühstückt und dann 200 Meter den Berg rauf in die Uni. Papierkram an der „Zentralen Servicestelle“ erledigen und schon beginnen die Begrüßungsvorträge. Hier wird uns gleich klar gemacht, dass Liechtenstein mehr zu bieten hat als nur Banken. Finanzinstitutionen tragen 30% Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Vergleicht man dies mit den 39% Bruttoinlandsproduktbeitrag aus industrieller Fertigung und warenproduzierendem Gewerbe relativiert sich diese Aussage allerdings wieder. Was mich dann doch beeindruckt hat war die Tatsache, dass von ca. 36.000 Einwohnern 12.000 Ausländer sind (Ausländeranteil: 33 Prozent) und die Zahl der Stiftungen sich auf mehr als 76.000 beläuft. Soviel also zum Thema Steuersparmodelle. Mein ehemaliger KMU- und Steuerdozent an der Zeppelin University hätte seine Freude.
Der Freitag verlief unspektakulär. Erstes Kennenlernen im Studiengang, Erläuterungen zu einzelnen Fächern und Besonderheiten und natürlich das obligatorische Kennenlernspiel. Da um 16.00 Uhr bereits Schluss ist habe ich Zeit, mich mit dem liechtensteinischen Personen- und Gesellschaftsrecht auseinanderzusetzen. Sympathisch sind vor allem die Unternehmenssteuersätze, die sich Anfang 2011 eher zum Negativen verändert haben, aber an Attraktivität nicht sehr viel einbüßen mussten.
Der einheitliche Ertragssteuersatz bewegt sich zwischen 10,6 und 12,5 Prozent. Reine Vermögensverwaltungen bezahlen nur die Mindestertragssteuer von 1.200 CHF pro Jahr. Ein Wehmutstropfen bleibt allerdings: Sitzgesellschaften, die ihre außerhalb des Landes erwirtschafteten Umsätze nicht versteuern mussten wurden abgeschafft. Hinzu kommt die Beauftragung eines Treuhänders oder Rechtsanwalts mit der Verwaltung, sollte keine liechtensteinische Staatsbürgerschaft in Verbindung mit einem Wohnsitz vorhanden sein.
Trotz der Steuerreform 2011 bleibt Liechtenstein eine interessante alternative um hier ein Unternehmen zu gründen. Nicht zuletzt aufgrund der Nähe zu grandiosen Skigebieten.