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Detroit – Wird die „Motor City“ zum neuen Silicon Valley?

Skyline DetroitVor einigen Tagen fiel mir der Artikel „Why Detroit Could Be the Next Big Startup City“ in die Hände. In diesem beschreibt Cameron Cushman, warum er der Meinung ist, dass sich Detroit zum nächsten Silicon Valley entwickeln könnte. Dieser Optimismus hat mich neugierig gemacht. Früher war Detroit mit seiner florierenden Automobilindustrie der Inbegriff des „American Dream“. Heute kämpft die ehemalige „Motown“ gegen Arbeitslosigkeit (ca. 11 Prozent), Bevölkerungsschwund (seit 1950 – 62 Prozent) und massiven Leerstand (ca. 55.000 Immobilien stehen zur Zwangsversteigerung). Die Frage bleibt: Wie soll hier ein neues Silicon Valley entstehen?

Neue Investoren braucht die Stadt

Noch immer ist die Automobilindustrie einer der wichtigsten Arbeitgeber. Neben den „Big Three“, Ford, General Motors und Chrysler, dominieren Volkswagen und unterschiedliche Automobilzulieferer immer noch das typische Unternehmensbild der Stadt. Dies wollen einige Pioniere ändern. Allen voran Bürgermeister Dave Bing, der mit seiner Initiative „The Detroit Works Project“ neue Investoren und Arbeitsplätze in die Stadt holen will. Mit Unternehmensgründungen kennt sich der seit 2009 amtierende Bürgermeister auf jeden Fall aus. In den 1980er Jahren legte er den Grundstein für „The Bing Group“. Mit seinem Engagement für die Stadt ist er nicht alleine. Unterstützung erhält er beispielsweise von Earvin „Magic“ Johnson. Neben Sporterfolgen in der NBA glänzt Johnson auch als Geschäftsmann mit klugen Investments. Sein Unternehmen Magic Johnson Enterprises hält unter anderem Beteiligungen an verschiedenen Kinos, Fast-Food-Restaurants und Fitness-Studios. Der Wert wird auf mehrere 100 Millionen US-Dollar geschätzt. Das neuste Projekt ist eine Beteiligung an Detroit Venture Partners mit dem Versprechen, mehrere Millionen US-Dollar in detroiter Startups zu investieren.

Gegründet wurde Detroit Venture Partners von Dan Gilbert. Mit ihm hat sich ein weiterer prominenter Entrepreneur für Detroit entschieden. Als gebürtiger Detroiter und Gründer von Quicken Loans, einer Plattform für Kredite und Hypotheken, verlegte er 2010 das Stammhaus mit 1.700 Mitarbeitern in die „Motown“. Bereits 2007 gründete er hier den Entrepreneurship Accelerator Bizdom U, der angehende Gründer von der ersten Idee bis zur Finanzierung begleitet und Infrastruktur sowie das eigene Netzwerk zur Verfügung stellt.

Arm, aber sexy!

Berlin at Night

Das Umfeld für junge Unternehmen scheint zumindest aus finanzieller Sicht sehr attraktiv. Venture Capital Fonds, Inkubatoren und Acceleratoren werden aber zurzeit überallgegründet und sind nicht mehr nur auf ihrem Heimatmarkt unterwegs. Was verschafft also gerade Detroit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil? Zum einen stehen die Unternehmen (bisher) nicht mit Google, Facebook und Co. im Wettbewerb um junge Talente, wie dies im „Silicon Valley“ der Fall ist. Dadurch können die investierten finanziellen Mittel effizienter genutzt und dadurch schneller Mehrwert geschaffen werden. Zum anderen sorgen der hohe Wohnungsleerstand und Bevölkerungsschwund dafür, dass die Lebenshaltungskosten, im Vergleich zu anderen Startup-Zentren wie dem Valley oder New York, sehr niedrig ausfallen. Dadurch werden Zugeständnisse bei Gehältern zusätzlich erleichtert.

Als Indiz, dass diese Rechnung aufgeht, lassen sich die aktuellen Zahlen des US-Zensusbüros heranziehen. Demnach hat die Zahl der unter 35-Jährigen in den letzten 10 Jahren in Downtown-Detroit um 59 Prozent zugenommen, obwohl im gleichen Zeitraum die Gesamtbevölkerung um 25 Prozent geschrumpft ist. Vergleicht man diesen Erfolg mit anderen aufstrebenden Startup-Metropolen, wie zum Beispiel Berlin, stellt man einige Parallelen fest. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs gab es, durch Aufteilung der Stadt und Mauerbau, keine nennenswerten Industrieansiedlungen. Vor allem nach der Wende hatte Berlin mit hoher Arbeitslosigkeit und massivem Gebäudeleerstand zu kämpfen (selbst Mitte 2010 wurde die Zahl leer stehender Wohnungen auf ca. 100.000 geschätzt). Heute punktet die Hauptstadt mit einer international erfolgreichen Startup-Szene. Hinzu kommen München und Hamburg, die ebenfalls eine hohe Dichte an jungen Unternehmen und Wagniskapitalinvestoren aufweisen.

Detroit hat also demnach gute Voraussetzungen, in die Liga der „Hottest Startup Cities“ aufzusteigen.

 

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